Altersvorsorge für den Zahnarzt – lohnt sich das denn überhaupt?
Ich habe doch die Rente aus dem
Versorgungswerk

Ärzte und Zahnärzte
gehören mit einem jährlichen Durchschnittseinkommen zwischen 100.000 € und
300.000 € zu den Spitzenverdienern. Wenn sie sich in Sachen Altersvorsorge
ausschließlich auf die Absicherung durch ihre berufsständischen Versorgungswerke
verlassen, so ist die Rentenlücke vorprogrammiert.

Mehr als 60 % der
Renten aus ärztlichen Versorgungswerken liegen bereits heute unter monatlich 3.000
€ brutto. Die Lebenserwartung steigt jedes Jahr um ca. drei Monate und dieser
Anstieg wird von den Versorgungswerken oft durch ausbleibende Rentenanpassungen
oder sogar Rentenkürzungen gegenfinanziert. Auch das anhaltend niedrige
Kapitalmarktzinsniveau tut ein Übriges dafür, dass heute wohl kaum mehr jemand
von Rentensteigerungen ausgeht.

Die
Versorgungswerkrente ist noch um den Beitrag zur (privaten) Krankenversicherung
und um die Steuern (ab dem Jahr 2040 müssen die Renten voll versteuert werden) zu
reduzieren, so dass nur noch gut die Hälfte dieser Beträge als Nettoeinkommen im
Alter zur Verfügung stehen wird. Da auch die Verkaufspreise von Zahnarztpraxen
stark gesunken sind, erscheint es fahrlässig, diese geplanten Erlöse bei der
Planung der Altersvorsorge zu berücksichtigen.

Trotz oder gerade wegen des
Spitzenverdienstes droht den Zahnärzten eine hohe Versorgungslücke, wenn nicht
rechtzeitig und in der richtigen Höhe vorgesorgt wird. Wenn sich ein heute
30-jähriger Zahnarzt eine monatliche Kaufkraft von 3.000 € zu Beginn seiner
Rentenzeit mit 67 Jahren wünscht und man nur eine jährliche Teuerungsrate bis
zum Ruhestand von jährlich 1,5 % unterstellt, dann erfordert das eine Kaufkraft
im Alter von 67 Jahren in Höhe von rund 5.100 € oder ein Verrentungskapital von
rund 1,6 Millionen €. Dieses ambitionierte Ziel kann mit der richtigen
Strategie erreicht werden. Aber, so bitter es auch klingt, sparen tut weh und
erfordert Disziplin.

Was ist noch abzusichern?

Private Vorsorge tut Not,
muss allerdings zu aller erst mit der Absicherung von Lebensrisiken beginnen.
Wird ein Zahnarzt Berufs- oder Erwerbsunfähig, so gibt es, bis auf die nur als
rudimentär zu bezeichnende Erwerbsunfähigkeitsrente der Versorgungswerke
keinerlei Absicherung. Und diese Rente setzt, wenn überhaupt, auch nur dann
ein, wenn die Approbation zurückgegeben wird. Hier ist die private Vorsorge
über eine Berufsunfähigkeitsrente gerade am Anfang absolute Pflicht – heute
allerdings nicht unser Thema. Auch auf die Notwendigkeit der Existenzsicherung
der Familie im Falle des eigenen vorzeitigen Todes kann ich hier nur
eindringlich hinweisen.

Was ist zu tun?

Der Ruhestand
und die Altersvorsorge sind zwei der wichtigsten Anlageziele überhaupt. Und hier
gilt, wie bei allen Investments generell, „nicht alle Eier in einen Korb legen“
und rechtzeitig anfangen! Der junge Zahnarzt hat hier mehrere Herausforderungen
zu bewältigen. Er muss die Anlageform finden, die zu ihm passt (oft wird die „eierlegende
Wollmilchsau“ gesucht – Sicher, Rentabel und immer verfügbar – die leider noch
nicht erfunden wurde) und er muss das Zinstief austricksen. Und hier sind auch
diejenigen gefordert, die schon vor Jahren mit Altersvorsorge begonnen haben
und nun dringend die Höhe ihrer Beiträge und Ziele überprüfen müssen.

Im Folgenden
wollen wir mögliche und sinnvolle Alternativen der Altersvorsorge beleuchten. Die
Vielschichtigkeit dieses Themas kann hier nur angerissen werden. Deswegen
empfiehlt es sich, mit einem unabhängigen Berater zusammenzuarbeiten, der auch
die Besonderheiten des Berufsstandes kennt.

Tagesgeldanlagen und Banksparpläne können im kurzfristigen Bereich
eingesetzt werden, für die Altersvorsorge eignen sie sich nicht. Eine relativ
hohe Flexibilität bieten auch Fondssparpläne.
Gerade kostenarme Indexfonds werden gerne empfohlen. Wenn man als Zahnarzt
jedoch das Ziel „Altersvorsorge“ hat, dann sollte man zu Anlagen greifen, die
einen auch ohne großen Aufwand über die in der Regel sehr lange Zeit begleiten
und vor allem auch eine lebenslange Rentenzahlung sicherstellen können. Und
dies ist mit diesen drei genannten Anlagen nur sehr schwer möglich.

Die Mitgliedschaft
im Versorgungswerk ist eine
Zwangsmitgliedschaft, die Rente aus dieser Ärzteversorgung ist eine Zusage ohne
Garantie. Ob es sich im Einzelfall lohnt, mehr als den Pflichtbeitrag zu
zahlen, sollte im Einzelfall mit einem unabhängigen Berater besprochen werden.

Der
Vollständigkeit halber erwähne ich auch kurz die Riesterrente. Ärzte, egal ob angestellt oder selbstständig, sind
Mitglieder im Versorgungswerk und daher von der staatlichen Riester-Förderung ausgeschlossen.
Also: Finger weg!

Gerade
Freiberuflern wird sehr oft die so genannte Rürup– oder auch Basisrente angeboten. Diese Rente gehört zur
sogenannten Schicht 1 und wird über die steuerliche Abzugsfähigkeit (ab 2025 zu
100%) der Beiträge staatlich gefördert. Dafür sind dann die Rentenleistungen
steuerpflichtig (ab 2040 zu 100 %). Sie ist also vergleichbar mit den Renten
aus dem Versorgungswerk, sowohl bei den Vor-, wie auch bei den Nachteilen. Die
Basisrente darf nicht als Einmalbetrag ausgezahlt werden, sondern muss immer
verrentet werden. Sie ist nicht direkt vererbbar und kann nicht abgetreten
werden. Vor allem für ältere Zahnärzte können die (steuerlichen) Vorteile
überwiegen, bei Berufsstartern oder Existenzgründern muss genau überlegt
werden, ob es am Anfang nicht passendere Anlagemöglichkeiten gibt.

In der
Vergangenheit waren Renten– oder
Lebensversicherungen
sehr beliebt, vor allem wegen des Garantiezinses, der
in der Spitze bei 4 % lag. Heute (2019) werden nur noch 0,9 % auf den
Sparbeitrag garantiert und auch hier scheint der Tiefpunkt noch nicht erreicht.
Das Sicherheitsbedürfnis des Sparers muss schon extrem hoch sein, um heute noch
zu diesen klassischen Produkten zu greifen.

Trotzdem sollte
der junge Zahnarzt, der anfängt, für seine Altersvorsorge zu sparen, nicht auf
Produkte aus der Familie der Rentenversicherungen verzichten. Neben den
steuerlichen Vorteilen in der Auszahlungszeit bieten sie dem Sparer einen
wichtigen, unschätzbaren Vorteil: sie nehmen ihm das Management der
Vermögensanlage ab und „erziehen“, da es sich um langfristige Verträge handelt,
zum Sparen. Diesen letzten Punkt, der auch ab und zu bei den Nachteilen
einsortiert wird, sehe ich gerade zu Beginn des Vermögensaufbaus als Vorteil
dieser Produktgattung. In der zweiten Hälfte des Berufslebens und wenn man
beginnt, über die Vermögensoptimierung nachzudenken, können dann ganz andere
Produktgattungen wichtig werden. Zu Beginn empfehlen sich jedoch die
sogenannten fondsgebundenen Lebens- bzw.
Rentenversicherungen
. Wer die Chance auf höhere Renditen will, muss auch
mit mehr Risiko investieren. Oder wie André Kostolany schon sagte: „Wer reich
ist, kann spekulieren. Wer arm ist, muss spekulieren.“  Doch bei den Unterschieden und der
Anlagestrategie wird es dann unübersichtlich und kompliziert. Es gibt Produkte
ohne und mit Garantie, statische und dynamische Hybridprodukte,
Höchststandsgarantiefonds oder indexgebundene Produkte.

Bei den
Garantieprodukten gibt es Produkte mit Garantien während der Laufzeit und
Produkte mit endfälligen Garantien. Für jedes Produkt und bei allen Vergleichen
wird mit Ablaufleistungen gerechnet. Wie wahrscheinlich ist es, dass die
angegebenen Renditen auch erreicht werden können? Wie belastbar sind diese
Zahlen? Wie hoch sind die Kosten der einzelnen Produkte?

Kann ein Anleger
hier alleine richtig entscheiden? Welches sind die richtigen und vor allem
wichtigen Kriterien bei der Auswahl? Auch hier kann ich nur die Empfehlung
wiederholen, mit einem qualifizierten und unabhängigen Berater zusammen zu
arbeiten, der zusammen mit Ihnen das passende und richtige Produkt für Sie
findet.

Fazit

Egal für welche
Form der Vorsorge man sich entscheidet, das Wichtigste ist: rechtzeitig
anfangen und durchhalten. Nur so kann man sicherstellen, dass man sich auch im
Ruhestand all das leisten kann, für das man im Arbeitsleben nicht genügend Zeit
hatte. Und dann hat sich auch die Altersvorsorge gelohnt!